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Stroemfeld Verlag GmbH, gegründet 1970, ist vor allem für seine ambitionierten Werk- und Gesamtausgaben deutscher Literaten aus dem 19. und 20. Jahrhundert bekannt.

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Leon Battista Alberti

Leon Battista Alberti Vita

Lateinisch-Deutsch

 

Um den Verstand, den Charakter und die Erfahrung seines Gegenübers zu erforschen, gab er sich in vielen Dingen als unwissend aus. Und so war er ein beharrlicher Erforscher der Dinge auf intellektuellem und künstlerischem Gebiet. Geld und Gewinnstreben hingegen verachtete er von Grund auf. Er vertraute seinen Freunden sein Geld und seine Güter zur Aufbewahrung und zum Nießbrauch an. Fast vertrauensselig war er mit Menschen, von denen er sich geliebt glaubte, sowohl, was seine Unternehmungen und Pläne, als auch, was seine Geheimnisse betraf. Die Geheimnisse anderer gab er niemals weiter, sondern bewahrte sie für immer.
[…] Und auch wenn er von Natur aus zum Jähzorn und zur Hitzköpfigkeit neigte, unterdrückte er doch sofort seine aufwallende Entrüstung durch Einsicht und mied oft bewußt die Schwätzer und die Starrköpfe, weil er es in ihrer Gegenwart nicht vermeiden konnte, in Rage zu geraten. Manchmal setzte er sich bewußt den Unverschämten aus, um seine Geduld zu trainieren. Er lud Freunde zu sich ein, mit denen er sich dann die ganze Zeit über die Wissenschaften und die Gelehrsamkeit austauschte, und er diktierte ihnen kleine Werke und zeichnete dabei ihr Porträt oder formte es in Wachs. In Venedig gab er die Gesichtszüge von Freunden, die in Florenz zurückgeblieben waren, noch ein Jahr und mehrere Monate, nachdem er sie gesehen hatte, unverblaßt wieder.

[…] Er schrieb kleine Abhandlungen über die Malerei und schuf mit malerischen Mitteln selbst unerhörte und den Betrachtern unglaublich erscheinende Werke, die er in einen kleinen Kasten einschloß und durch ein winziges Loch hindurch zur Schau stellte. Dort hätte man gewaltige Gebirge und riesige, eine ungeheure Meeresbucht umschließende Territorien sehen können, außerdem dem Blick entzogene, äußerst entlegene Gegenden, so daß dem Betrachter die Sehkraft zu versagen drohte. Diese Werke nannte er Demonstrationen, und sie waren so beschaffen, daß Kenner und Laien gleichermaßen behaupteten, keine gemalten, sondern die realen Dinge der Natur zu sehen.
Es gab zwei Arten von Demonstrationen; die eine nannte er Tages-, die anderen Nachtdemonstrationen.
[…] Er verwandte mehr Zeit darauf, derartige Dinge zu erforschen als darauf, seine Ergebnisse bekannt zu machen; denn er diente mehr dem Geist als dem Ruhm. Nie hatte er den Kopf frei, stets war er mit Nachdenken und wissenschaftlichen Überlegungen beschäftigt. Selten zog er sich aus der Öffentlichkeit nach Hause zurück, ohne dort an seiner Wissenschaft weiterzuarbeiten, und das selbst bei den Mahlzeiten. So kam es, daß er sehr wortkarg und ungesellig war und mürrisch aussah, dennoch kein schwieriger Charakter war, ja, er zeigte sich im vertrauten Kreise, selbst wenn er über ernste Dinge diskutierte, stets liebenswürdig und – im Rahmen des Schicklichen – aufgeräumt.

[…] Weiterhin verband er Klugheit mit wissenschaftlicher Bildung und angeborenen Scharfsinn mit der Kunst der Weissagung, um die Zukunft vorauszusagen. Erhalten sind seine Briefe an den Arzt Paolo, in denen er das bevorstehende Schicksal seiner Heimat bereits viele Jahre zuvor prophezeit hatte. Damals hatte er auch die Geschicke der Päpste für die kommenden zwölf Jahre vorhergesagt. Weiterhin haben seine Freunde und Verwandten überliefert, daß er viele Umwälzungen, die andere Städte und Fürsten treffen sollten, im voraus angekündigt habe.
[…] Sein Kopf vertrug von Natur aus Kälte und Zugluft überhaupt nicht. Durch Abhärtung und indem er sich den Sommer hindurch nach und nach daran gewöhnte, schaffte er es, bei winterlicher Kälte und noch so starkem Wind umherzureiten, ohne seinen Kopf zu bedecken.
[…] Wenn er zum Vergnügen das Haus verließ um auszugehen, und dabei beobachtete, wie die Handwerker in ihren Werkstätten stetig ihrer Arbeit nachgingen, kehrte er oft mit den Worten nach Hause zurück (so als habe ihn ein besonders strenger Kritiker ermahnt): Auch wir werden uns für unsere übernommene Aufgabe abmühen.

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96 Seiten, Broschur,

ISBN: 978-3-87877-936-0

 

Einzelpreis: 19,80 €
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1970: Verlag Roter Stern K. D. Wolff KG in Frankfurt am Main gegründet. Seit dem begann der Verlag mit der Edition umfangreicher historisch-kritischer Ausgaben deutschsprachiger Schriftsteller, wie zum Beispiel Frankfurter Hölderlin-Ausgabe, Heinrich von Kleist, Gottfried Keller, Georg Trakl, Franz Kafka und Casimir Ulrich Boehlendorff.