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Martin Stritt

Helena in den Romruinen

Die schöne Helena in den Romruinen. Überlegungen zu einem Gemälde Marten van Heemskercks

 

Das Buch beschäftigt sich mit einem einzigen Gemälde. Es datiert von 1535-36 und zeigt außerordentliche Dimensionen und Techniken für jene Zeit (ca. 1.5 x 3.8 m, Öl auf Leinwand). Es entstand in Rom und blieb dort bis 1900, als es an Henry Walters verkauft und in die Walters Art Gallery, Baltimore, Maryland verschifft wurde, wo es sich heute befindet.
Auffallend ist die traumhafte, verheißungsvolle Atmosphäre der Landschaft, ihre eigenartig rhythmische Wiederholung und Verwandlung von Silhouetten, von den Figuren im Vordergrund bis zu den Bergen am Horizont, und ihre strömende Dynamik hin zu einem großen Regenbogen am rechten Bildrand. Am erstaunlichsten wirkt jedoch die Entfaltung einer weiteren Dimension. Mit seiner Geologie römischer Ruinen gibt das Panorama den Blick in eine Zeit-Landschaft, in ein Stromland historischer Epochen frei.
Das Kapitel ANGESICHT DER ERDE nimmt etwas Abstand vom Gemälde und wendet sich einem merkwürdigen Zusammentreffen sprachlicher und bildkünstlerischer Entwicklungen im frühen sechzehnten Jahrhundert zu. In dieser Zeit emanzipiert sich Landschaftsmalerei als eigenständiges Genre.
LANDSCHAFTLICHE GESICHTSZÜGE betrachtet Heemskercks Vorläufer in der Entwicklung der Landschaftsmalerei. Jan van Eycks »highlands in the lowlands« (Millard Meiss), Patinirs schier unermeßliche Fernsichten, Jan Mostarts Szene aus der amerikanischen Eroberung von 1523, Hieronymus Boschs ›Garten der Lüste‹.
Heemskercks großes Landschaftsbild verdankt seinen Vorläufern viel. Es ist jedoch einzigartig in der Darstellung einer Gegend, die von architektonischen Überresten wie von geologischen Schichten gebildet wird. Zugleich wirken viele der Trümmer so rosig und lebhaft als könnten sie kaum erwarten, weiter ans Licht zu treten. Dieser vitale Reiz verleiht ihnen einen antropomorphen Charakter, der durch den Koloss über der Hafeneinfahrt der fernen Stadt akzentuiert wird.
WELTWUNDER widmet sich dem Phänomen, daß fast jeder Betrachter den Koloss in Heemskercks Gemälde als den Koloss von Rhodos erkennt, eines der Sieben Weltwunder der Antike.
Topographische Identität verfolgt die Frage ob eine identifizierbare Stadt in Heemskercks Panorama erscheint. Es ist unzweifelhaft keine Idealstadt im Sinn der Renaissance. Ungeplante Einflüsse scheinen sie mindestens ebensosehr mitgeformt zu haben wie zielgerichtete urbanistische Aktivitäten.
Kaum ein anderes Bild einer Stadt führt die Gegenwart eines versunkenen Zeitalters so deutlich vor Augen wie Heemskercks Gemälde. Aber welche Stadt ist nun eigentlich zu sehen? Seit Ende des 15. Jahrhunderts erfreuten sich identifizierbare, meist druckgraphische Stadtportraits wachsender Beliebtheit. Tatsächlich gibt es flüchtige Anspielungen auf Rom, die auch etwa in der Rom-Illustration der Nürnberger Chronik zu sehen sind, weit verstreut in seinem ganzen Gemälde.
Das umfangreichste Denkmal in seiner Landschaft ist der Regenbogen auf der rechten Seite, kein wirklich römisches Monument. Biblischer Tradition zufolge wurde er von Gott in die Wolken gesetzt nicht nur um seine Geschöpfe zu versichern, sondern auch sich selbst daran zu erinnern, daß er den Weltuntergang der Sintflut nicht wiederholen würde. Ein Regenbogen kann in jeder Gegend mit wechselhaftem Wetter auftreten. Heemskercks Heimat ist ohne Zweifel eine solche Gegend.
1520 brach eine schwere Sturmflut über die Niederlande herein. Als das Wasser sich wieder zurückzog, lag plötzlich vor den Dünen bei Kattwijk op Zee – eine römische Ruine! Die Liebhaber der Antike waren begeistert! Es ist nicht bekannt ob Heemskerck sie selbst gesehen hat, denn sie war nur zwei Tage lang sichtbar, aber es ist ganz unwahrscheinlich daß er nicht von ihr Kunde erhielt. Zwölf Jahre später war Heemskerck unterwegs nach Rom, »wohin es ihn seit langem zog, die Werke der Antike und der großen italienischen Meister zu sehen.«
ROM versucht eingangs den seltsamen Eindruck zu verdeutlichen, den Rom auf Heemskerck bei seiner Ankunft im Sommer 1532 gemacht haben muß. Räumlich bei weitem die größte Stadt Europas, war sie in den meisten Gegenden unbewohnt. Mehr als dreiviertel des Gebietes innerhalb der antiken Stadtmauern war eine Art Wildnis. Heemskercks römische Skizzenbücher, heute größtenteils in Berlin, zeigen daß er fast ausschließlich an dieser urbanen Verlassenheit interessiert war.
Die Grundstimmung des Gemäldes ist jedoch nicht apokalyptisch. Es wird mit einiger Plausibilität als Hochzeitsgeschenk angesehen, aber die Hochzeit ist umstritten und der Auftraggeber ist nicht bekannt.
PARIS, HELENA UND DIE ROMRUINEN befaßt sich mit den Figuren im Vordergrund des Gemäldes. Erst 1942 wurden bei einer Restaurierung in den Segeln des größten Schiffes rechts im Bild flüchtige Spuren einer Geburt der Venus und eines Parisurteils entdeckt, und damit das berittene Paar als Paris und Helena identifiziert.

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146 Seiten Text, 196 Seiten Abb., Großformat, 2 Bände, Leinen im Schuber,

ISBN: 978-3-87877-818-9

 

Einzelpreis: 78,00 €
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1970: Verlag Roter Stern K. D. Wolff KG in Frankfurt am Main gegründet. Seit dem begann der Verlag mit der Edition umfangreicher historisch-kritischer Ausgaben deutschsprachiger Schriftsteller, wie zum Beispiel Frankfurter Hölderlin-Ausgabe, Heinrich von Kleist, Gottfried Keller, Georg Trakl, Franz Kafka und Casimir Ulrich Boehlendorff.