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Frauen und Film 67: Migration

 

hrsg. von Nanna Heidenreich

 

Bilder formatieren Migration. Die zahlreichen Dokumentarfilme, Fotografien, Fernsehbeiträge, Videoarbeiten und auch Spielfilme, die gegenwärtig Migration zum Thema machen und inszenieren, bilden nicht einfach eine vorfindliche Realität ab und kommentieren diese, sie speisen sie in unser gesellschaftliches Imaginäres ein.
Den von der holländischen Kulturwissenschaftlerin Mieke Bal lancierten Begriff der »Ästhetik der Migra­tion« denken die beiden Organisatorinnen des kuratorischen und Forschungsprojekts »Migration & Medien«, Sissy Helf und Marie-Hélène Gutberlet, dahingehend weiter, dass Migration sich auch als gestaltete Wahrnehmung materialisiert. Für Mieke Bal ist mit der Ästhetik der Migration nicht nur die unhintergehbare fundamentale Transformation von Gesellschaften in Migrationsgesellschaften gemeint, die Transnationalisierung von Stadtraum und Alltag, sie parallelisiert diesen Erfahrungsraum mit dem Medium Video: Video und Migration teilen, so Bal, konstitutive Gemeinsamkeiten. Migration als dringliches Thema unserer Zeit lasse sich vor allem mit Film und Video durchdenken. Ähnlich haben auch schon einige Jahre vorher Angela Meli­to­poulos und Maurizio Lazzarato in ihren Thesen zu einer Videophilosophie dargelegt und Video als das Medium der Migration beschrieben.
Migration ist aber auch ganz handfest eine Frage der Medien: Migrationsbewegungen sind stets auch so etwas wie Bewegungen einer technischen Avantgarde gewesen: so waren die »Gastarbeiter« in der BRD mit die ersten, die VHS Rekorder im Gepäck hatten, Satellitenschüsseln zeugen ebenso von transnationaler – audiovisueller – Kommunikation wie die Proliferation von DivX & Co, die man auch als eine alternative Form der Filmdistribution bezeichnen kann. Die angeblich »undokumentierten« gefährlichen Passagen über das Mittelmeer werden von Videoclips begleitet, mit Handys und kleinen Kameras aufgenommen, die ihren Eingang wiederum in Musikvideos finden und eine Art eigenes Genre begründet haben (Stichwort: Harga).
Die Ausgabe »Migration« der Frauen und Film wird eben jene Erkenntnisse als Ausgangspunkt nehmen und dabei besonders auf jenes Phänomen abstellen, dass innerhalb des letzten Jahrzehnts Migration im deutschsprachigen Raum (endlich) zu einem bevorzugten Thema in experimentellen, installativen und videokünstlerischen Arbeiten geworden ist. Zuvor war das Feld – bis auf wenige Ausnahmen, wie Angela Melitopoulos wegweisende Videoarbeit »Passing Drama« (D 1999) – vor allem von Spiel- und Dokumentarfilmen (und Fernsehproduktionen) bestimmt. Nach Jahrzehnten, in denen Migration überhaupt erst mit Hilfe von Spielfilmen als Erzählung zu einem Teil des Geschichtsraumes »Deutschland« werden konnte (einem Land, das sich bis vor Kurzem noch des Neologismus des »Nichteinwanderungslandes« zur Selbstverständigung bedient und Migration daher aus der offiziellen Historiographie ausgeblendet hat) steht heute an, Migration als Weise des Denkens und der Wahrnehmung auch von der Zuspitzung auf die Geschichte der (ost- und west-)deutschen Arbeitsmigration zu lösen. Migration ist damit als Perspektive zu begreifen, die es einzunehmen gilt: nicht als Bild, sondern als Ereignis verstanden.

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ISBN: 978-3-86600-186-2

 

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1970: Verlag Roter Stern K. D. Wolff KG in Frankfurt am Main gegründet. Seit dem begann der Verlag mit der Edition umfangreicher historisch-kritischer Ausgaben deutschsprachiger Schriftsteller, wie zum Beispiel Frankfurter Hölderlin-Ausgabe, Heinrich von Kleist, Gottfried Keller, Georg Trakl, Franz Kafka und Casimir Ulrich Boehlendorff.