Stroemfeld Verlag GmbH, Franfurt/M, Deutschland

Stroemfeld Verlag GmbH, gegründet 1970, ist vor allem für seine ambitionierten Werk- und Gesamtausgaben deutscher Literaten aus dem 19. und 20. Jahrhundert bekannt.

Bücher

 

Suchergebnis: Bücher mit Anfangsbuchstabe F

 

Annette Brauerhoch

Fräuleins und GIs

Geschichte und Filmgeschichte

 

PROJEKT : Nexus: Die kulturwissenschaftliche Bibliothek, nexus 70

 

Fräuleins und GIs. Einem viel geschmähten Produkt der Besatzungszeit gilt Annette Brauerhochs Interesse: dem »Fräulein« einer ungebundenen, sexuell aktiven jungen Frau, die in harten Zeiten ihren Hunger nach Leben stillen will, die dem Vergnügen und dem Konsum frönt, die mit Schamlosigkeit, Untreue und Ehrverlust assoziiert und aufgrund ihrer Nähe zu den Besatzungssoldaten als »Amiflittchen« oder »Amizone« geächtet wird. Das »Fräulein« verkörpert den moralischen Ruin und fügt den deutschen Männern eine zweite Niederlage zu, indem sie sich mit den Siegern einlässt. Diese Stereotype hat sich Brauerhoch in Fräuleins und GIs vorgenommen mit dem Ziel, die historische Figur des »Fräuleins« samt dem weiblichen Anspruch auf Sexualität aus feministischer Perspektive zu rehabilitieren. Entstanden ist daraus eine mit Leidenschaft geschriebene, höchste bemerkenswerte deutsch-amerikanische Film-, Sozial- und Kulturgeschichte der Jahre 1945 bis 1961, in der dem Film als Dokument und Archiv eine eigene Form der Geschichtsschreibung zugebilligt wird. 

aus: Filmblatt.de / Besprechungen online Filmblatt 43

 

Die Filmwissenschaftlerin Annette Brauerhoch beschäftigt sich in ihrem neuen Buch mit den Beziehungen zwischen deutschen Frauen und Besatzungssoldaten nach Kriegsende, wie sie im Film dargestellt werden. Die Autorin liefert dabei kundige Filmanalysen, die sich auf eine umfassende historische Recherche stützen können.
epd Film 6/2006

 

...Noch in den zwanziger Jahren, erwähnt die Filmhistorikerin Annette Brauerhoch in ihrer weiträumigen, detaildichten Studie "Fräuleins und GI's", war das Fräulein eine moderne, berufstätige weibliche Person, die recht gern und gut allein lebte und ihre Freiheit im Fahrtwind des Fortschritts genoss... Annette Brauerhoch hat für ihre wissenschaftliche Arbeit über die literarische und filmische Darstellung der Liaisons zwischen Deutschen und Alliierten eine fulminante Fülle an Dokumenten, Archiv- und Filmmaterial zusammengetragen... ist "Fräuleins und GI's" ein Schätze förderndes Standardwerk zur Ästhetikgeschichte der Nachkriegszeit...
Ursula März, DIE ZEIT / Literatur November 2006

 

Über deutsche Frauen, die sich in der Besatzungszeit mit amerikanischen Soldaten einließen, gibt es diverse Filme, sogar gute von Regisseuren wie Billy Wilder oder Sam Fuller – Filme, mit denen in beiden Staaten aktiv Politik gemacht wurde. Daneben gibt es solche, die einfach nur versuchten, zeitgeschichtliche Strömungen aufzuzeigen. Das Kapitel „Fräuleins und GIs“, wie die an der Universität Paderborn Film- und Sozialwissenschaft lehrende Annette Brauerhoch ihr Buch betitelte, gehört in die Nachkriegszeit, ist abgeschlossen, eine Fußnote der (Film-)Geschichte. Insgesamt kommt man auf etwa 60 Filme, in denen das Thema auftaucht, und auf etwa zwei Dutzend, in denen es die Handlung bestimmt. Man erfährt, warum Marlene Dietrich in „A Foreign Affair“ (1948) von Billy Wilder eine Nachtclubsängerin ist, die sich mit GIs einlässt, und keine Frau mit einem normalen, langweiligen Beruf; im US-Kino konnte man solche Frauen nur als „Glamour Girls“ zeigen. Marlene Dietrich als Hollywood-Star, als Deutsche, die Deutschland den Rücken gekehrt hatte, das war ein genialer Besetzungscoup, der das Thema zugleich ironisierte. Auch in anderen Filmen waren es Sängerinnen und Schauspielerinnen, die diesen selbstständigen, etwas frivolen Frauentyp verkörperten, ohne dadurch gleich als Amiflittchen ins moralische Abseits gezogen zu werden – denn da waren sie ohnehin schon. Wilder zeigt in seinem Film aber auch eine brave Frau, eine Amerikanerin (gespielt von Jean Arthur), die so puristisch war wie viele Deutsche, die in Deutschland aber diesen Puritanismus allmählich verlor und zur Lebenslust fand. Das war dem US-Verteidigungsministerium jedoch zuviel: Es zog den Film zurück, erst mit langer Verspätung kam er in die Kinos. Immer wieder gibt es in dem Buch solche interessanten Passagen zur Filmpolitik, vor allem solche, in denen es bis ins Detail um Moral und Politik geht. Auch auf deutscher Seite: So spielte Margot Hielscher in „Hallo Fräulein“ (Rudolf Jugert, 1949) eine ähnliche Rolle, zog dann aber doch den braven deutschen Mann gegenüber dem GI vor.
Wie so oft geht es in den Filmen um Klischees, im Leben wie im Kino. Das ist das Einzige, was man dieser Fleißarbeit vorwerfen könnte: dass sie den Typus des „Fräuleins“ dem der Trümmerfrau nicht nur gegenüberstellt, sondern in gewisser Weise idealisiert; dass sie nicht neutral ist, sondern versucht, die „Fräuleins“ zu rehabilitieren. In den Filmen geht es immer darum, dass Frauen (notgedrungen) ihr Leben selbst in die Hand nehmen, mutig und selbstbewusst werden – und mitunter in Kauf nehmen, dafür schief angesehen zu werden. Heute ist das kein Thema mehr, das war schon in Filmen wie Fassbinders „Die Ehe der Maria Braun“ nicht mehr so, der auch zur Nachkriegszeit spielte. Vielleicht könnte man sogar so weit gehen, die „Fräuleins“ als Vorreiterinnen der heutigen Multi-Kulti-Gesellschaft in Deutschland zu sehen (was Brauerhoch aber nicht tut). Das Schöne an dem Buch ist, dass man anhand von etwa zwei Dutzend Filmen wie „Toxi“ (1952) oder „Schwarzer Kies“ (1961) erfährt, wie die Drehbuchautoren (und die Zensoren) bei der Ausgestaltung der Filme vorgingen, wo sie Zugeständnisse machten, wo es Parallelen und Gegensätze zu den Frauen- und Männerfiguren in Filmen aus anderen Ländern gab. Beeindruckend sind Fälle von Selbstzensur, wie der Werdegang des US-Romans „Fräulein“ von James McGovern (1956). Im US-Roman und seiner US-Verfilmung „Fräulein“ durch Henry Koster (1958) sind die schwarzen GIs freundlich und hilfsbereit, aber auch sexuelle Wesen, während der Roman-Abdruck in der deutschen Illustrierten „Quick“ jeden körperlichen Kontakt zwischen dem „Fräulein“ und dem GI vermeidet. Immer wieder stellt Brauerhoch die Bezüge zwischen den Filmen und der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung dar. Brauerhochs Studie ist eine wissenschaftliche Arbeit mit Fußnoten, einer gewissen akademischen Strenge und einer Fülle an Einzelheiten, die mit dem Thema in Verbindung stehen, zusammengetragen aus Militärarchiven, Romanen, Zeitschriften, Zeitungen und in Bezug gesetzt zu filmtheoretischen Ansätzen (Kracauer). Trotzdem ist das Buch verständlich geschrieben, übersichtlich nach Filmen und Großthemen gegliedert. Es ist höchst sorgsam recherchiert, enthält Fotos aus den (Video-)Kopien zur Erläuterung der Szenen und Filme, etwa „Toxi“, der Geschichte eines drolligen Mischlingskinds (die Mutter ist tot, der Vater in den USA weiß nichts von seiner Existenz), die auf weiterführende Aspekte deutsch-amerikanischer Affären hinweist und als Plädoyer für Toleranz im Nachkriegsdeutschland funktioniert. Kurzum: Ein Idealfall von einer filmwissenschaftlichen Arbeit, die viel Zeitgeschichtliches auch aus anderen Bereichen vermittelt.

Andrea Dittgen, filmdienst, 10/2007

ba_3861091704

533 Seiten

ISBN: 978-3-86109-170-7

 

Einzelpreis: 28,00 €
in den Warenkorb

 

Beschreibung

› Pressestimmen

 

zurück zur Übersicht

 

© 1970-2017 by Stroemfeld Verlag.

nach Oben

1970: Verlag Roter Stern K. D. Wolff KG in Frankfurt am Main gegründet. Seit dem begann der Verlag mit der Edition umfangreicher historisch-kritischer Ausgaben deutschsprachiger Schriftsteller, wie zum Beispiel Frankfurter Hölderlin-Ausgabe, Heinrich von Kleist, Gottfried Keller, Georg Trakl, Franz Kafka und Casimir Ulrich Boehlendorff.