Stroemfeld Verlag GmbH, Franfurt/M, Deutschland

Stroemfeld Verlag GmbH, gegründet 1970, ist vor allem für seine ambitionierten Werk- und Gesamtausgaben deutscher Literaten aus dem 19. und 20. Jahrhundert bekannt.

Bücher

 

Suchergebnis: Bücher mit Anfangsbuchstabe F

 

Friedrich Hölderlin

FHA 7/8: Gesänge I und 2

 

EDITION: Sämtliche Werke »Frankfurter Ausgabe« (FHA)

 

Komm ins Offene, Leser:
Hölderlin gibt weiter Rätsel auf
»… Die lange angekündigten, nun endlich erschienenen Bände 7/8 präsentieren Hölderlins »Gesänge« aus der Zeit von 1800 bis 1806 in einer neuen editorischen Darstellungsweise, die von der bisherigen Werk-stufen-edition abweicht. Damit beweist die FHA zunächst, dass sie sich nicht darauf beschränkt, einmal definierte Editionsmaximen stur anzuwenden. Der schwierigen Edierbarkeit von Hölderlins Handschriften begegnet Sattler jetzt mit dem waghalsigen Versuch, Hölderlins Schreibprozeß chronologisch-biographisch zu rekonstruieren und in einer über weite Strecken irritierenden Darstellung zu veranschau-lichen.
Während Band 7 eine ausführliche Zeittafel von 1801 bis 1809 enthält und die Handschriften der Gesänge als Faksimiles mit Umschrift dokumentiert, ist dem Band 8 der editorische Teil vorbehalten. Er präsentiert Hölderlins als »Vaterländische Gesänge« berühmt gewordene Gedichte wie »Der Rhein«, »Germanien«, »Patmos«, »Friedensfeier«, »Mnemosyne« nicht mehr als »Texte« im herkömmlichen Sinne. Vielmehr sieht Sattler Hölderlins Schreibarbeit an den Gesängen in 288 »Segmente« gegliedert und versucht sie chronologisch-biographisch anzuordnen …
Was die Stuttgarter Ausgabe unter »Pläne und Bruchstücke« unterbringt, erscheint nun in der FHA gleichberechtigt neben Gedichten, die wie etwa »Patmos« eine gewisse Abgeschlossenheit erreicht haben, eingebettet in die Chronologie eines Segmentendickichts, in dem sich der Leser trotz verschiedener Register nur mühsam zurechtfinden kann …
An diese Offenheit appelliert die FHA – und darin überzeugt sie am meisten – nach wie vor, nur daß dieser Appell in der labyrinthischen Darstellung und in Sattlers reduziertem Erklärungsbedürfnis zu verschwinden droht …
Abgeschlossen ist damit der Umgang mit Hölderlins Handschriften keineswegs: Band 7 stellt das Material zur Verfügung, das für die künftige Diskussion unabdingbar ist. Ein Neuanfang – dies lehrt uns die FHA – ist immer wieder zu leisten, ein erster Schritt ist getan: »Komm ins Offene, Freund!«

Davide Giuriato, Basler Zeitung, 7. Dezember 2001

 

D. E. Sattler ediert Hölderlins Gesänge
»… Das Spätwerk, das Hölderlins Gedichte und Ge-dicht-entwürfe aus den Jahren zwischen 1800 und 1806 umfaßt und fast ausschließlich in des Dichters sybillinischer Handschrift überliefert ist, gilt als das diffizilste, deshalb auch umstrittenste Textkonvolut der deutschen Literatur. Beißner hatte die editorischen Schwie-rigkeiten dadurch zu lösen versucht, daß er in einem wunderbar übersichtlichen Band fertige Gedichte, wenigstens aber Bruchstücke präsentierte – und in einem anderen, eher verschlungenen Folianten die sogenannten ›Lesarten‹ auflistete, die angesichts der scheinbar gesicherten Texte jedoch nicht über den Status minderrangiger Abweichungen und Korrekturen hinauskamen. Sattlers Einleitungsband aber führte die Handschrift im Faksimile vor und machte damit auf emphatische Weise sichtbar, daß Beißner Hölderlin nicht nur ediert, sondern auch, gerade auch interpretiert hatte: ›Bestritten wird‹, so lautete Sattlers -finaler Vorwurf, ›daß es bei Hölderlin andere Verderbnisse und Entstellungen gäbe als die reinigenden Eingriffe seiner Herausgeber.‹
Der Einleitungsband war eine strategische Meister-leistung. Mit ihm hatte sich Sattler als Herausgeber legitimiert … Aber nun begann die Wirklichkeit.
Sie begann äußerst vielversprechend. Schon im Herbst 1976 erschien der erste gewichtige Band der Frankfurter Ausgabe: »Elegien und Epigramme«. Sattler führte dabei den Nachweis, daß er editorisch jenen Gedichten gewachsen war, die zu Hölderlins schönsten und bedeutendsten gehören, Gedichten überdies, die dem eigentlichen Spätwerk direkt vorausgehen und es schon präludieren. Zudem – und dies sollte fortan die Hauptstärke der Ausgabe sein – konnte er im Gegensatz zu Beißner getrost auf den akribischen Apparat zu den Handschriften verzichten, ganz einfach deshalb, weil er sie in technisch immer besseren, wenngleich oft verkleinerten Fotografien direkt abbildete, ihnen eine typographische Umschrift beifügte und so jede seiner editorischen Entscheidungen für den Leser überprüfbar machte.
Dann gingen die Jahre ins Land … Dann ging der ›Rote Stern‹ pleite, aus seiner Asche entstieg, mit identischem Personal und nach einem Hölderlinwort benannt, der ›Stroemfeld Verlag‹. Sehr langsam wuchs die Ausgabe nun, aber sie wuchs. Daß aus dem Hasard des Beginns keine Katastrophe, daß aus der Begeisterung des Anfangs doch Kontinuität wurde, ist ein Wunder für sich.
Zu Höhepunkten des Frankfurter Hölderlin wurden drei ursprünglich gar nicht geplante Supplement-Bände. Sie bieten in bestechender Qualität, originaler Größe und mit sorgfältigster Umschrift die elementaren Handschriften des Dichters, die Frankfurter und Homburger Entwurfsfaszikel etwa zu den Oden ›Hei--delberg‹ und ›An die Parzen‹, das Stuttgarter -Folio-buch mit Textstufen zum Drama ›Empedokles‹ oder zur Elegie ›Der Wanderer‹, schließlich, sie alle krönend, das Homburger Folioheft mit den Gesängen und hymnischen Entwürfen nach 1800 – also mit dem innersten Kern des Spätwerks.
Bereits 1986 war das Faksimile dieser im konservatorisch prekären Original kaum zugänglichen Handschrift erschienen – und der gebannte Blick auf die 92 Seiten lehrte damals auch, wie schwer oder gar un-möglich selbst eine nur annähernd zweifelsfreie Edi-tion dieses Konvoluts sein würde. Denn der Hölderlin des 1802 angelegten Folioheftes streicht kaum mehr, läßt vielmehr in mal hellerer, mal dunklerer Tinte, mal mit spitzer, mal mit stumpfer Feder seine Verse wachsen, sieht gleichsam unbeteiligt zu, wie eine Schicht des Textes von einer anderen überlagert wird, notiert Zusätze am Rand – aber sind es wirklich nur Zusätze? –, bricht ab, läßt mehrere Seiten frei, beginnt einen neuen Entwurf, um an ihm dasselbe Verfahren zu wiederholen.
Die harsche Kritik an Beißners Edition des Spätwerks hatte Sattlers Ausgabe die Rechtfertigung geliefert. Wie würde er es bei dieser Quellenlage nun selber machen – vor allem anders und besser machen, fragte man sich. Und dann wartete man Jahr auf Jahr auf die Königsbände und wollte schon resignieren. Aber nun ist er da, der eigentliche Grund des Frankfurter Hölderlin, nun kann man sie prüfen, die Bände 7/8 mit den ›gesängen I und II‹. Was taugen sie?
Es ist merkwürdig still geblieben seit ihrem Erscheinen zu Anfang April … Gewiß, es ist fast immer mühselig, Sattlers Versuch einer Textgenese und seinem Umgang mit ›der editorisch neuen form des kumula-tiven textes‹ zu folgen, zumal das Deutsch, in dem er seine editorischen Entscheidungen herleitet und begründet, von enormer Sprödigkeit ist und von diakritischen Zeichen nur so wimmelt. In der Sache aber hat Sattler recht. Es gibt die ›Friedensfeier‹ eben nicht vollständig, weil Hölderlin wie bei allen anderen Texten des Spätwerks nie mit Überarbeitungen aufhört und nie zu einem definitiven, höchstens zu einem erschöpften Ende kommt …
Alles in allem weit über dreißig Jahre beschäftigt sich D. E. Sattler jetzt hauptsächlich mit Hölderlin. Er beschäftigt sich mit ihm, indem er sich mit ihm identifiziert. Er ist darüber Hölderlins Sachwalter, aber auch sein Prophet geworden. Es dürfte nichts geben, keine Zeile und kein biographisches Detail, was er nicht kennt. Und es sei keineswegs insinuiert, daß er darüber jede Distanz zum Gegenstand seines Forschens verloren habe. Beim dokumentarischen Teil der Gesänge, im Band 7, zeigt sich diese Distanz allenthalben: Präzise wie stets werden die Quellen abgebildet und durch Umschriften kenntlich gemacht. Mit dem editorischen Teil sollte man bis auf weiteres pragmatisch umgehen, also die Reinschriften und Druck-fassungen lesen und sich von dort aus, soweit man kann und mag, mit Sattler in Hölderlins offenes, oft auch uferloses Wörtermeer hinauswagen …«

Jochen Hieber, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 6. November 2001

ISBN: 978-3-87877-463-1

 

Einzelpreis: 228,00 €
in den Warenkorb

 

› Pressestimmen

Weitere Bücher von:
Friedrich Hölderlin

 

zurück zur Übersicht

 

© 1970-2017 by Stroemfeld Verlag.

nach Oben

1970: Verlag Roter Stern K. D. Wolff KG in Frankfurt am Main gegründet. Seit dem begann der Verlag mit der Edition umfangreicher historisch-kritischer Ausgaben deutschsprachiger Schriftsteller, wie zum Beispiel Frankfurter Hölderlin-Ausgabe, Heinrich von Kleist, Gottfried Keller, Georg Trakl, Franz Kafka und Casimir Ulrich Boehlendorff.