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Stroemfeld Verlag GmbH, gegründet 1970, ist vor allem für seine ambitionierten Werk- und Gesamtausgaben deutscher Literaten aus dem 19. und 20. Jahrhundert bekannt.

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Pavel Schmidt

f. k.

Kafka Zeichnungen

 

...Ein zweiter Werkkomplex in der Ausstellung besteht aus 49 Zeichnungen zu Franz Kafka. Sie entstanden sukzessive seit 2001 - mit Skizzen zur Anatomie und anderen veristischen Zeichnungen auf dem Briefpapier eines Hotels, oder als bunte Tintezeichnungen, die abstrakt anmutende Linienstränge und figurative Szenen zeigen, wobei letztere mitunter auch erotischer Natur sind...
Doch als der Stroemfeld Verlag sich anschickte, bislang unveröffentlichte Texte aus dem Nachlass von Franz Kafka zu publizieren, ergab sich die Möglichkeit, dieses Vorhaben mit einem Künstlerbuch von Pavel Schmidt zu kombinieren... ergibt sich aus dem Zusammenführen dieser beiden eigenständigen Teile mit den Facetten aus Schmidts assoziativer Methode der Bildfindung und der poetischen Kraft von Kafkas Sprache eine verblüffende atmosphärische Verdichtung.

Jürgen Raap, Kunstforum, Bd. 181, Juli-September 2006

 

Die Ohnmacht wohnt im Nachbarhaus
Pavel Schmidts Zeichnungen zu Kafkas Werk im Jüdischen Museum Berlin
Franz Kafka hat sein Schaffen gelegentlich als "Gekritzel" bezeichnet. Es gab Momente in seinem Leben, in denen er unsicher war, ob er tatsächlich Schriftsteller oder nicht doch lieber Zeichner sein wollte. Beide Tätigkeiten faszinierten ihn, und in seinem Schreiben verschmolzen sie miteinander. Der fragmentarische Charakter seiner drei unvollendeten Romane - "Der Verschollene", "Der Process" und "Das Schloss" - zeigt sich am deutlichsten beim Blick in die Manuskripte: Es wimmelt darin von Streichungen, Korrekturen. Immer wieder brechen die Texte ab,
manchmal mitten im Satz. Die Erkenntnis, dass Kafka sich beim Schreiben auch mal verschrieben hat, mag dem einen banal erscheinen; dem anderen eröffnet sie ein weites kreatives Feld: Als der tschechische Künstler Pavel Schmidt vor Jahren die faksimilierten Handschriften in der Stroemfeld-Ausgabe zum ersten Mal zu Gesicht bekam, fasste er den Entschluss, Kafkas Schrift-Zeichen-Kunst fortzusetzen. So entstanden knapp fünfzig Zeichnungen, die derzeit im Jüdischen Museum in Berlin ausgestellt
sind. Im Titel der Ausstellung, "Franz Kafka - Verschrieben und Verzeichnet", klingt das Pathos des Irrtums an: Scheitern als Chance.

Im Romanfragment "Der Process" taucht ein Maler namens Titorelli auf, der immer wieder die gleiche Heidelandschaft malt. Hat Schmidt sich in gleicher Weise der Wiederholung, ja Nachahmung "verschrieben"?

Kafkas Werk ist Schmidt seit langem vertraut: 1956 in der damaligen Tschechoslowakei geboren, gelangte er über Mexiko und die Schweiz nach München, wo er an der Kunstakademie studierte und später auch lehrte. Schmidts jüdische Wurzeln haben sein Schaffen geprägt: So spielt die Anzahl seiner Kafka-Zeichnungen (48 plus eine Collage) auf das Gründungsjahr des Staates Israel an. In der 49 steckt die
Zahl sieben: Im siebten Monat des Jahres 1883 wurde Kafka geboren. Unter jeder Zeichnung der Ausstellung ist ein Kafka-Textbruchstück zu finden. Da heißt es dann etwa: "Gestern kam eine Ohnmacht zu mir. Sie wohnt im Nachbarhaus, ich habe sie dort schon öfters abends im niedrigen Tor gebückt verschwinden sehn." Dazu die
Tuschezeichnung zweier Männer - der eine kräftig, aber dünnhäutig, man sieht das Blut durch seine Adern fließen; der andere schmal und schwarz wie der Tod, er stiehlt sich davon. Es ist das alte Klischee vom zweigeteilten Künstler. Doch Vorsicht: Der kräftigere der beiden Männer könnte auch Kafkas Vater sein. Der Farbklecks rechts oben hat die Form des hebräischen Buchstabens "J" (wie Jude), könnte aber auch den Umriss eines Vogels andeuten: "Kavka"
heißt auf Tschechisch "Dohle".

So wie Pavel Schmidt seine eigene mit Kafkas Signatur kreuzt, mischt er Figuratives mit Abstraktem. Seine Skizzen und Farbkompositionen suchen in ihrer Offenheit die Entsprechung zum Kafkaschen Werk. Meistens werden nur Einzelheiten erkennbar: ein Organ, ein Kopf, eine weibliche Brust. Da berühren Hände einen länglichen Körper mit
Eselskopf, und als Bildunterschrift wird aus Kafkas Oktavheften zitiert: "Ich bitte nur um Verzeihung, wenn ich die Notwendigkeit der Anordnung nicht verstehe."

Durch das Spiel mit Zitaten entsteht etwas Neues, Eigenständiges. Die Ideen fangen an, sich zu überlagern; eben noch sicher Geglaubtes erscheint schon im nächsten Moment wieder ungewiss. Kafkas Bücher, hat Walter Benjamin gesagt, seien "Erzählungen, die mit einer Moral schwanger gehen, ohne sie jemals zur Welt zu bringen". Pavel Schmidt hat diese Struktur des Aufschubs aufgegriffen: Jedes Detail kann zu einem anderen in Beziehung gesetzt werden. So entsteht ein Labyrinth aus Verweisen, in dem der
Betrachter sich frei entscheiden kann, welchen Weg er gehen möchte.

Kerstin König, FAZ, 29. Mai 2008

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Geb., 120 Seiten, 49 Farbabbildungen,

ISBN: 3-87877-969-0

 

Einzelpreis: 28,00 €
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1970: Verlag Roter Stern K. D. Wolff KG in Frankfurt am Main gegründet. Seit dem begann der Verlag mit der Edition umfangreicher historisch-kritischer Ausgaben deutschsprachiger Schriftsteller, wie zum Beispiel Frankfurter Hölderlin-Ausgabe, Heinrich von Kleist, Gottfried Keller, Georg Trakl, Franz Kafka und Casimir Ulrich Boehlendorff.