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Ulrich Weber

Dürrenmatts Spätwerk. Die Entstehung aus der Mitmacher-Krise

Eine textgenetische Untersuchung

 

edition TEXT 6

 

1973 erlebte Friedrich Dürrenmatt mit der Uraufführung seiner Komödie Der Mitmacher, die den Niedergang eines Wissenschaftlers zum Leichenvernichter für ein mafiöses Unternehmen zeigt, einen seiner größten Mißerfolge als Dramatiker. Das Scheitern des Stücks auf der Bühne, das er selber als eines seiner besten betrachtete, stürzte Dürrenmatt in die tiefste Krise seiner schriftstellerischen Laufbahn. In einem Nachwort zum Stück setzte sich der Autor mit den Gründen des Mißerfolgs auseinander, wobei er eine neue Form des subjektiv reflektierten, autobiographischen Schreibens mit eingeschobenen Erzählungen entwickelte und den Grund für die Entwicklung des großen Projekts der Stoffe legte.
Die Arbeit von Ulrich Weber basiert auf der Analyse von mehreren Tausend Manuskriptseiten aus dem Nachlaß von Friedrich Dürrenmatt zur Komödie Der Mitmacher, zum umfangreichen Nachwort sowie zum Stoffe-Kapitel Mondfinsternis. Sie bildet die erste größere Untersuchung zur Relevanz von Dürrenmatts Manuskripten für das Verständnis seiner Werke.
In einem ersten Teil wird die Struktur und die Entstehung der Komödie Der Mitmacher untersucht. Die Textgenese zeigt einen Prozeß konsequenter Verdichtung des Stoffs zu einer Form, die Dürrenmatt als »experimentelle Klassik« bezeichnet hat: In der Konfrontation der klassischen Form mit dem makabren Stoff wendet Dürrenmatt die dramatischen Stilmittel der griechischen Tragödie in eine gegenteilige Funktion, sie werden zu Strukturmerkmalen einer totalen Welt der Vernichtung.
Im zweiten Teil wird die Entwicklung des Nachworts untersucht. Der Autor erläutert zunächst den geistigen Hintergrund des Stücks, doch entwickeln sich dabei neue Fragen nach dem Verhältnis von Fiktion und Realität und nach den Ausdrucksmöglichkeiten von Subjektivität, und allmählich wird aus einem Kommentar eine vollständig neue Form von in sich reflektierter »Literatur über Literatur«. Eine entscheidende Rolle bei dieser Neuorientierung kommt der erneuten Auseinandersetzung mit der Philosophie Sören Kirkegaards zu, insbesondere der Figur des sokratischen Ironikers. Dürrenmatt entwickelt hier den literarischen Gestus subjektiver Aneignung und ironischer Wiederholung, der auch das Erinnerungsprojekt der Stoffe prägt.
Im letzten Teil der Arbeit von Ulrich Weber wird anhand des Kapitels Mondfinsternis und seiner Textgenese nachgewiesen, wie die im Mitmacher-Nachwort erarbeiteten neuen poetischen Möglichkeiten in den Stoffen aufgenommen und weiterentwickelt werden: Die rekonstruierte Erzählung erweist sich über die Vorstufe zum Drama Der Besuch der alten Dame hinaus als ironisch-parodistischer Gegenentwurf aus der Erinnerungsperspektive und zugleich als autoreferentielles Gleichnis für den Erinnerungsprozeß des Autors. Der Gestus der erinnernden Wiederholung erweist sich als fundamentales poetisches Prinzip im Spätwerk Dürrenmatts, das über das autobiographische und existentielle hinaus eine erkenntniskritische Dimension hat, indem es die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit von Fiktion und von geistigen Weltentwürfen überhaupt aufwirft.

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420 Seiten, geb., Fadenheftung,

ISBN: 978-3-87877-963-6

 

Einzelpreis: 48,00 €
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1970: Verlag Roter Stern K. D. Wolff KG in Frankfurt am Main gegründet. Seit dem begann der Verlag mit der Edition umfangreicher historisch-kritischer Ausgaben deutschsprachiger Schriftsteller, wie zum Beispiel Frankfurter Hölderlin-Ausgabe, Heinrich von Kleist, Gottfried Keller, Georg Trakl, Franz Kafka und Casimir Ulrich Boehlendorff.