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Klaus Heinrich

Dahlemer Vorlesungen 9: arbeiten mit herakles

Arbeiten mit Herakles / Zur Figur und zum Problem des Heros; antike und moderne Formen seiner Interpretation und Instrumentalisierung

 

EDITION: Dahlemer Vorlesungen

 

Mythos Herakles - arbeiten mit herakles
Der Religionswissenschaftler und -philosoph Klaus Heinrich (geb. 1927) legt mit dem 9. Band seiner Dahlemer Vorlesungen die des Wintersemesters 1975/1976 über Herakles vor. Arbeiten mit herakles, nicht etwa arbeiten des herakles, lautet der Titel: ein Wortspiel, das zwar die 12 Arbeiten bzw. den „Zwölfkampf“ (Dodekathlos) des athletes Herakles keineswegs leugnet, aber darüber hinaus darauf hinweist, dass die Figur des beliebtesten Helden der Antike alles andere als einfach oder leicht durchschaubar sei, sondern erarbeitet werden muss - wie es uns der Heros ja auch vorlebt. Weit davon entfernt, Nostalgie zu betreiben, sind (die wortwörtlich, nach Tonbandaufnahmen rekonstruierte) Vorlesung und Buchausgabe nicht losgelöst vom politischen Diskurs der Zeit und daher vom umfassenden Anspruch der 70er Jahre getragen. Das heißt: Selbstverständlich kann es nicht nur um den Mythos Herakles oder eine Ansammlung von Heroenmythen, um Vergleiche zwischen antikem Text und Bild sowie deren wissenschaftliche Tradierung gehen, sondern um weit mehr. Klaus Heinrich, der als 15jähriger als Luftwaffenhelfer eingezogen und gegen den 1943 ein Verfahren wegen Wehrkraftzersetzung geführt wurde, interessierte vor allem die Widersprüchlichkeit in der Überlieferung des antiken Helden, wobei sich der Sigmund-Freud-Preisträger für wissenschaftliche Prosa vorrangig auf Euripides’ Bearbeitung („Herakles“, entst. vor 415 v. Chr.) stützte. Das Stück handelt vom Wahnsinn des Herakles, der aus dem Hades heimkehrt, zuhause jedoch in einem Wahnsinnsanfall Frau und Kinder mordet. Athene kann ihn mit einem gezielten Steinwurf noch davon abhalten, seinen irdischen Vater zu töten, beim Fallen reißt Herakles jedoch die Säulen seines Palastes nieder und wird darunter begraben. Man sieht, bei Euripides wird der „Heros auf eine schauerliche Weise entheroisiert“, das Stück bricht „drastisch mit konventioneller Frömmigkeit und verklärender Heroisierung“ und lässt Heinrich fragen, ob Herakles nur aus dem Hades zurückkehrt, um „die Oberwelt in eine Dependance der Unterwelt zu verwandeln?“ Für ihn ist der Gebrauch von Begriffen wie „heroisch“ oder „Heroismus“ ein zwielichtiger: „Als den vom Krieg (i.e. 2. Weltkrieg, d.R.) Faszinierten klar wurde, daß der Krieg längst verloren war, da ... wurden Niederlagen und Rückzugsgefechte in der Frontberichterstattung als „heroisches Ringen“ verbrämt, und da war „heroisch“ das Wort, das ... eine „positive Einstellung“ erzeugen sollte, in Wirklichkeit aber das Moment von Ausweglosigkeit ausdrückte.“ Wer ist Herakles? Wie nähert man sich dem „zwielichtigen“ Helden? Zwar ist es zunächst nicht leicht, sich in den Stil des Autors einzulesen, hat der Leser jedoch die ersten Hürden (bzw. den athlos = Arbeit, Kampf) genommen, kann er nur noch profitieren: im Hinblick auf Verständnis und Funktion des Mythos im Allgemeinen und des unheroischen Heros Herakles im Besonderen.


Dr. Daniela Ziegler (Heidelberg), www.kunstbuchanzeiger.de

426 Seiten, geb.,

ISBN: 978-3-87877-029-9

 

Einzelpreis: 48,00 €
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